Statische Pfahldruckprüfung in Zürich durch den STRABAG-Spezialtiefbau

10.9.2026, Text: Andres C. Nitsch
Im Quartier Binz in Zürich entsteht ein Mehrfamilienhaus als Ersatz für ein älteres, kleineres Wohngebäude. Neben der Sicherung der Baugrube mit einer Rühlwand wurde das Team des STRABAG-Spezialtiefbaus damit beauftragt, eine grosse Zahl von Tragpfählen zu bohren und zu platzieren, auf denen später das neue Gebäude zu stehen kommt. An drei dieser Tragpfählen wurde nun eine statische Pfahldruckprüfung durchgeführt. Was auf den ersten Blick wenig spektakulär aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinschauen als hochkomplexe Prüfungsinstallation.
Prüfinstallation mit Ankerns, Druckzylinder und Querstahlträgern © STRABAG
© STRABAG

Insgesamt 52 Tragpfähle wurden versenkt, das heisst die entsprechenden Löcher gebohrt, mit Armierungseisen verstärkt und mit Beton ausgegossen. Die Pfähle sind bis 22 Meter tief. Der Auftrag umfasst, an drei dieser Tragpfähle statische Pfahldruckprüfungen durchzuführen – der Spezialtiefbau von STRABAG arbeitet hier mit einem externen Prüfinstitut zusammen. Oberhalb des zu prüfenden Tragpfahles werden dafür zwei Prüftraversen verstärkte HEB 800 installiert, die jeder für sich schon 8 Tonnen schwer sind. Die Prüfungsvorrichtung – vereinfacht ausgedrückt ein hydraulisch betriebener Druckzylinder mit Presse – drückt von unten gegen die beiden Stahlträger. Da diese Träger an jedem Ende mittels eines Stahlankers im Boden und damit in der Höhe fixiert sind, wird nun der Druck der Presse auf den Tragpfahl übertragen. Dieser wirkt also nach unten, und damit lässt sich die eigentliche Pfahldruckprüfung durchführen.

Eine grosse Zahl von Sensoren und Messinstrumenten sind in den Test integriert und messen alle entsprechenden Parameter – es führen deshalb auch eine grosse Zahl von Druckleitungen und Kabel von der Testvorrichtung zum Installationsfahrzeug. Je 18 Stunden dauert ein Prüfungsdurchgang, bei dem in verschiedenen Phasen unterschiedlich Druck ausgeübt wird. Die Daten werden dabei nicht vor Ort verarbeitet, sondern im Büro des Prüfinstituts – dort laufen sämtliche Daten zusammen und werden entsprechend analysiert.

Luftaufnahme der Baustelle mit verschiedenen Bausmaschinen, die Prüfvorrichtung in der Mitte © STRABAG

Nach jeweils 18 Stunden Druckprüfung wird die Testinstallation komplett abgebaut und beim nächsten Tragpfahl wieder identisch aufgebaut. Anschliessend kann sofort die nächste Pfahldruckprüfung durchgeführt werden. Dies wiederholt sich dann nochmals beim dritten zu prüfenden Tragpfahl. Mit diesem Vorgehen können die drei beauftragten Prüfungen innerhalb dreier Arbeitstage abgeschlossen werden. Für den Ab- und Aufbau ist aufgrund der grossen Gewichte ein Pneukran erforderlich.

  • Drei Fragen an den Praktikanten ... Mattis Westermeier

    Diese Pfahldruckprüfung ist sehr eindrücklich, aber hinter jeder Baustelle stehen auch die Menschen ... Wir schauen hinter die Kulissen und haben STRABAG-Praktikant Mattis direkt ins Rampenlicht geholt:
Mattis Westermeier steht in der Türe eines STRABAG-Baucontainers © STRABAG

Du bist Praktikant im Spezialtiefbau bei STRABAG. Wie kam es dazu?

Nachdem ich mein Bachelorstudium an der RWTH Aachen abgeschlossen hatte, stellte sich mir – wie vermutlich vielen Bachelorabsolventen – die Frage: Wie wende ich eigentlich mein erlerntes, jedoch hauptsächlich theoretisches Wissen, in der Baupraxis an? Über einen Kommilitonen bin ich dann erstmals auf das Praktikum hier in der Schweiz aufmerksam geworden. Mir war immer klar, dass ich später einmal im Ausland arbeiten und verschiedene Orte der Welt sehen möchte. Genau diese Chance hat mir STRABAG mit dem Praktikum geboten. Ich konnte wertvolle Einblicke in den Alltag eines Bauführers gewinnen und die verschiedensten Projekte mit begleiten. Rückblickend ist dieses Praktikum der optimale Schritt für mich gewesen, besser rauszufinden, in welche Richtung ich mich orientieren möchte, bevor ich dann mit meinem Master an der TU München beginne.

Was fasziniert dich an der Welt des Bauens?

Am meisten fasziniert mich, dass am Ende eines Projekts immer etwas Sichtbares und Bleibendes entsteht. Schon als Kind hat es mich fasziniert, Dinge selbst zu erschaffen – ob beim Bau eines Baumhauses, mit LEGO oder später im Spiel Minecraft. Ich hatte schon immer Freude daran, aus einzelnen und scheinbar komplett unabhängigen Komponenten etwas Neues entstehen zu lassen und am Ende das Ergebnis vor mir zu sehen.

Im Spezialtiefbau kommt noch dazu, dass ein Grossteil der Arbeit unter der Erde passiert und trotzdem entscheidend für die Stabilität eines ganzen Gebäudes ist. Mich beeindruckt, wie viel Know-how nötig ist, um mit unvorhersehbaren Bodenverhältnissen umzugehen. Ich mag auch die Dynamik, dass kein Projekt dem anderen gleicht und man ständig auf neue Situationen reagieren muss.

Für mich ist Bauen auch ein Symbol für Fortschritt: Jedes Projekt verändert ein Stück Stadt oder Infrastruktur nachhaltig. Es gibt mir ein gutes Gefühl, Teil von etwas zu sein, das langfristig Bestand hat. Genau diese Kombination aus Technik, Teamarbeit und sichtbarem Ergebnis macht für mich die Faszination am Bauen aus.

Was ist besonders für dich an dieser Baustelle in Zürich?

Die Baustelle in Zürich ist für mich aus verschiedenen Gründen besonders, denn sie liegt in einem urbanen Wohngebiet und erfordert deshalb ein hohes Mass an Planung. Hinzu kommt, dass die vor Ort durchgeführten Pfahldruckprüfungen bei Weitem nicht alltäglich sind. Ich hatte das Privileg, dieses Projekt von Anfang an zu begleiten – von der Planung des Versuchs bis zur praktischen Ausführung. Das hat mir ermöglicht, ein tiefes Verständnis für alle Phasen zu entwickeln. Besonders wertvoll ist für mich, dass ich aktiv beim Aufbau und Umbau der Testanlage mitgewirkt habe. Im Baualltag zeigt sich immer wieder: Probleme entstehen oft erst bei der Ausführung selbst. Die Fähigkeit, schnell und flexibel darauf zu reagieren, macht diese Arbeit spannend und fordert mich heraus. Durch diese Erfahrungen habe ich unglaublich viel gelernt und gesehen. Letztendlich schätze ich die Eigenverantwortung, die mir hier gegeben wird – ich kann selbstständig Entscheidungen treffen und trage damit aktiv zum Erfolg des Projekts bei.

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