Neubau Rathausbrücke Zürich: zwei temporäre Hilfsbrücken

29.07.2026
Im Zuge des Ersatzneubaus der Rathausbrücke Zürich wird die bestehende Brücke vollständig rückgebaut und durch einen Neubau ersetzt. Die Rathausbrücke stellt eine zentrale Fussgänger- und Fahrradverbindung zwischen den beiden Fussgängerzonen am Limmatquai und Weinplatz dar. Um die Erschliessung während der Bauzeit aufrechtzuerhalten, wurden daher zwei temporäre Hilfsbrücken erstellt.
Drohnenaufnahme der neuen Wasserkammern rechts im Bild und der bestehenden Wasserkammern © STRABAG
© STRABAG

Der Neubau der Rathausbrücke umfasst wesentliche Anpassungen der Tragwerks- und Gewässergeometrie. Die bestehende Konstruktion mit drei Pfeilerscheiben wird durch eine neue Brücke mit lediglich zwei Pfeilerscheiben ersetzt. Zudem wird die Limmat im Bereich der Brücke um rund vier Meter vertieft und die Flusssohle dauerhaft befestigt. Durch diese Massnahmen wird die Durchflussmenge erhöht und der Hochwasserschutz der Stadt Zürich verbessert. Gleichzeitig ermöglichen die Arbeiten archäologische Untersuchungen im Bereich des Flussgrundes.

Da die Querung der Limmat während der gesamten Bauzeit gewährleistet werden muss, wurden zwei unterschiedliche Hilfsbrückenkonzepte umgesetzt.

Hilfsbrücke Süd: schräg über den Fluss

Die flussaufwärts gelegene Hilfsbrücke Süd verbindet das Limmatquai im Bereich des Rathauses mit dem Weinplatz und ist sowohl für Fussgänger als auch für den Transportverkehr ausgelegt.

Die Brücke weist eine Länge von rund 85 m auf und ist auf insgesamt 20 ROR-Pfählen gegründet. Die Pfähle sind auf fünf Achsen verteilt und wurden jeweils etwa 12 m tief in den Untergrund eingebracht.

Bild zeigt die Baustelle mit Kran in der Bildmitte, mit der Hilfsbrücke zur Hälfte fertig gebaut © STRABAG
Bild zeigt Limmat, Rathaus und die Baustelle, davor die fertiggestellte Hilfsbrücke schräg angeordnet © STRABAG

Die Unterbauten bestehen aus Stahlkonstruktionen, die auf den jeweiligen Achsen montiert wurden. Der Überbau setzt sich aus HEB Längsträgern sowie quer verlegten Bongossi-Holzträgern zusammen. Durch die quer zur Brückenachse angeordneten Holzträger wird sowohl die erforderliche Queraussteifung des Überbaus als auch die Fahrbahnkonstruktion sichergestellt. Nach Fertigstellung des Tragwerks erfolgten der Einbau des Asphalts sowie die Installation der Beleuchtung.

Aufgrund des Höhenunterschieds zwischen Brückenoberfläche und Weinplatz musste auf der westlichen Brückenseite zusätzlich eine Magerbetonrampe erstellt werden.

Hilfsbrücke Nord: vorfabriziert in drei Teilen

Die flussabwärts gelegene Hilfsbrücke Nord verbindet die Schipfe im Bereich des Laubengangs mit dem Limmatquai auf Höhe der Raiffeisenbank. Die Hilfsbrücke Nord ist ausschliesslich für den Fussgängerverkehr ausgelegt.

Die Brücke ist auf sechs ROR-Bohrpfählen gegründet, die auf zwei Achsen verteilt angeordnet sind. Der Überbau besteht aus drei Aluminium-Brückenelementen, die werkseitig vormontiert und als Sondertransport zur Baustelle transportiert wurden.

Die Baustelle am Morgen, zum Zeil noch im Schatten, mit Blick in Richtung Limmatquai © STRABAG
Ausschnitt zeigt die Hilfsbrücke am Morgen zum Teil noch im Schatten © STRABAG

Im ersten Montageschritt wurde das östliche Brückenelement mit einer Länge von 20 m und einer Breite von 4 m auf der Seite des Limmatquais eingehoben und dauerhaft verankert. In einem zweiten Montageschritt wurden die beiden verbleibenden Brückenelemente mit Abmessungen von 17 × 4 m beziehungsweise 23 × 4 m montiert.

Für den Einhub der beiden Elemente wurde ein Ponton als schwimmende Zwischenabstützung eingesetzt. Während des Montagevorgangs wurden die Elemente temporär auf dieser Zwischenabstützung in Brückenmitte sowie auf den Pfahlachsen an den jeweiligen Achsen gelagert. Erst nach dem kraftschlüssigen Verbinden der beiden Aluminiumsegmente konnte die erforderliche Systemsteifigkeit hergestellt werden. Anschliessend wurde die temporäre Zwischenabstützung entlastet, abgesenkt und zurückgebaut.

Die Hilfsbrücke über der Limmat mit der Schipfe links im Bild © STRABAG

Verkehrsführung während der Bauzeit

Mit Inbetriebnahme der Hilfsbrücken wurde die bestehende Rathausbrücke vollständig ausser Betrieb genommen. Die Zugänge vom Limmatquai, Weinplatz und von der Schipfe wurden gesperrt und baulich gesichert. Der Fussgänger- und Fahrzeugverkehr wird während der Bauzeit über die temporären Hilfsbrücken geführt.

Bild ab Drohne 120 Meter über der Rathausbrücke mit alter Brücke und den beiden neuen Hilfsbrücken © STRABAG
  • Drei Fragen an den Bauführer ... Leonard Berger

    Ein Bauprojekt ist Präzisionsarbeit ... Wir schauen hinter die Kulissen und haben Leonard Berger direkt ins Rampenlicht geholt.
Leonard Berger mit Helm und Weste vor einer Baumaschine auf der Baustelle Rathausbrücke © STRABAG

Was war bei diesem Projekt für dich die grösste technische Herausforderung, worauf bist du heute besonders stolz?

Die grösste technische Herausforderung war die Umsetzung des Projekts mitten im Zentrum von Zürich. Aufgrund der beengten Platzverhältnisse stand auf der Baustelle nur sehr wenig Arbeits- und Lagerfläche zur Verfügung. Deshalb müssen nahezu alle Bauteile und Materialien nach dem Prinzip «Just in Time» angeliefert werden. Gleichzeitig stellte die dichte Tram-Taktung von lediglich 15 Minuten hohe Anforderungen an die Logistik, während die Schwertransporte nur nachts durchgeführt werden können.

Eine zusätzliche Herausforderung ist, dass auf der Baustelle nur ein Kran zur Verfügung steht. Die zahlreichen Hebevorgänge müssen deshalb bis ins Detail geplant und mit allen Beteiligten abgestimmt werden. Die Koordination der Hübe erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Programm Trafcon und erforderte eine präzise Organisation aller Abläufe.

Besonders stolz bin ich darauf, dass es uns trotz dieser anspruchsvollen Randbedingungen gelungen ist, die Arbeiten sicher, effizient und termingerecht auszuführen. Die erfolgreiche Bewältigung der komplexen Logistik und die reibungslose Zusammenarbeit aller Beteiligten haben wesentlich zum Erfolg des Projekts beigetragen.

Mitten in der Zürcher Altstadt, über der Limmat und unter laufendem Betrieb: Was macht solche komplexen Baustellen für dich reizvoll?

Solche Baustellen sind für mich besonders reizvoll, weil sie technisch anspruchsvoll sind und nur durch die enge Zusammenarbeit vieler verschiedener Unternehmen erfolgreich umgesetzt werden können. Jeder Beteiligte trägt seinen Teil zum Projekterfolg bei.

Gleichzeitig ist es ein spannendes Bauvorhaben an einem einzigartigen Ort. Nicht zuletzt macht auch die Lage mitten in der Zürcher Altstadt mit dem Blick über die Limmat und bis zum Zürichsee das Projekt zu etwas ganz Besonderem.

Was hat dich ursprünglich dazu bewogen, den Weg in die Baubranche einzuschlagen?

Mein Weg in die Baubranche begann mit einer Lehre als Zimmerer. Schon damals hat es mich fasziniert, zu sehen, wie aus einer Idee Schritt für Schritt ein Bauwerk entsteht. Deshalb war für mich früh klar, dass ich mich fachlich weiterentwickeln und Bauingenieurwesen studieren möchte.

Während des Studiums konnte ich auch einen Einblick in den Hochbau gewinnen. Dabei wurde mir jedoch schnell bewusst, dass meine Leidenschaft im Ingenieurbau liegt. Die technisch anspruchsvollen Projekte, die Zusammenarbeit vieler verschiedener Fachbereiche und die Möglichkeit, komplexe Bauvorhaben erfolgreich umzusetzen, begeistern mich bis heute. Mein Ziel, später als Bauführer im Ingenieurbau tätig zu sein, stand deshalb schon früh fest.

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