Mehr als ein Flussübergang: Neubau der Rathausbrücke in Zürich
Geschichtsträchtiger, zentraler und komplexer geht kaum: Mitten in der Altstadt von Zürich wird die bestehende Rathausbrücke durch einen Neubau ersetzt. Gleichzeitig werden Massnahmen für den Hochwasserschutz umgesetzt. Die Bauarbeiten sind die sprichwörtliche Operation am offenen Herzen: Ununterbrochen wird das städtische Leben um die Baustelle herum pulsieren und die Limmat unter der Baustelle hindurchfliessen. STRABAG ist an diesem spannenden Projekt beteiligt.
Historischer Übergang an der Limmat
Da, wo die Limmat aus dem See fliesst und schon die Römer eine kleine Zollstation gründeten, wurde an der engsten Stelle des Flusses eine erste Brücke gebaut. Die Römer haben Spuren hinterlassen: Ganz in der Nähe gibt es noch heute Überreste der antiken Thermen zu besichtigen. Durchgehend seit dem frühen Mittelalter ist eine Brücke an dieser Stelle dokumentiert, und schon früh in der für sie typischen platzartigen Breite. Und da auch ein Gemüsemarkt auf der Brücke seit dem frühen 14. Jahrhundert dokumentiert ist, heisst sie nicht erst heute bei den Einheimischen «Gemüsebrücke». Aufgrund der zentralen Lage wurden später auch das Rathaus und eine Polizeiwache unmittelbar an die Brücke gebaut. Sie ist noch heute das Herz der Stadt und verbindet – zumindest für Fussgänger und Fahrradfahrerinnen als Teil der Zürcher Fussgängerzone – die Altstadtquartiere links und rechts der Limmat.
Bauen im historischen Zentrum
Die Brücke wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder neu gebaut und den Erfordernissen angepasst. Die heutige Brücke stammt aus den 70-er Jahren und ist sanierungsbedürftig. Die Stadtregierung und Stimmbevölkerung haben sich für einen Abbruch und Neubau entschieden. Die neue Brücke muss sich dabei gestalterisch in das historische Zentrum der Stadt einfügen und doch genügend Platz für Veranstaltungen wie dem Markt sowie den Fuss- und Fahrradverkehr bieten. Sie wird schlanker als die alte, hat eine trapezförmige Form und muss mit weniger Pfeilern im Fluss und einer abgesenkten Limmatsohle auch mehr Raum für den Fluss bieten und so zum Hochwasserschutz beitragen.
Baustart und Installationsphase
Seit Januar 2026 wurden die Installationsflächen eingerichtet. Der derzeitig sprichwörtliche Höhepunkt der Baustelle ist der imposante Kran, über den unser Kranführer Giuseppe die ganze Stadt Zürich überblicken kann.
Aufgrund der engen Platzverhältnisse steht der Kran bzw. sein sogenanntes Portal auf vier Bohrpfählen in der Limmat. Die Hakenhöhe ist 44 Meter, das Gewicht beträgt 400 Tonnen. Der Kran ist ein Schwergewicht und meistert eine maximale Last von 25 Tonnen. Der Arbeitsradius beträgt insgesamt 86.4 Meter und noch an der Spitze bewältigt der Kran 8.8 Tonnen.
Archäologie unter Wasser
Demnächst werden zwei provisorische Behelfsbrücken eingebaut. Anschliessend wird die bestehende Brücke zurückgebaut, parallel dazu die Sohle des Flusses abgesenkt und die neuen Brückenfundamente erstellt. Es ist übrigens möglich, dass im Bett der Limmat Baureste älterer Brückenkonstruktionen erhalten geblieben sind – sie wären natürlich von hohem geschichtlichen Interesse. Anschliessend werden die neuen Widerlager und Pfeiler errichtet und die neue Brückenplatte eingebaut. Zum Abschluss folgen Belagsarbeiten, Geländer und Sitzbänke. Die bekannten bisher vorhandenen Kioske werden nicht ersetzt. Bis Ende 2028 werden die Hauptarbeiten voraussichtlich abgeschlossen sein.
Herausfordernder Bau
Bauen an dieser Stelle ist komplex. Es gibt wenig Platz, sämtliche Gebäude um die Baustelle herum sind historisch bedeutend, die Zufahrten muss man sich mit Fussgängern, Autos und Strassenbahnen teilen, und abgebrochen und neu gebaut wird über einem fliessenden Gewässer mit Linienschiffsverkehr.
Wenn Ende 2028 die letzten Arbeiten abgeschlossen sein werden, wird die neue «Gemüsebrücke» nicht nur den Hochwasserschutz der Stadt massiv verbessern, sondern sich auch als moderner, lebendiger Begegnungsort in das historische Stadtbild einfügen. STRABAG baut hier aktiv an einem neuen Kapitel Zürcher Stadtgeschichte mit und wird ein Fundament, das die Altstadtquartiere auch in den kommenden Jahrhunderten sicher miteinander verbindet.
Keyfacts für dieses imposante Projekt:
- Aushub: 1.900 m³
- Erdbau Schüttung/Damm Schüttung: 800 m³
- Abbruch Beton: 2.000 m³
- Bohrpfahlwand: 230 m²
- Spundwände: 3.200 m²
- Mikropfähle: 730 m
- Bohrpfähle: 320 m
- Bewehrungsstahl: 500 t
- Konstruktiver Stahl: 460 t
- Beton- / Stahlbetonarbeiten: 2.300m³
- Bauwerksabdichtung / Schwarzdeckerarbeiten: 1.850 m²
- Gussasphalt: 420 t
- Schalung: 4.000 m²