Sanierung Stauwehr Winznau: Geschichte trifft auf moderne Ingenieursarbeit
Am 4. August 2025 haben die Arbeiten zur umfassenden Sanierung des Stauwehrs Winznau bei Olten begonnen. Bis Ende 2027 entsteht hier ein Zusammenspiel aus historischem Erbe und moderner Ingenieursarbeit. Die Arbeiten umfassen Aufgaben für mehrere STRABAG-Bereiche. Vom Ingenieur- und Spezialtiefbau bis hin zum Holzbau sind alle dabei.
Das Stauwehr Winznau, erbaut von 1914 bis 1917, leitet die Aare in den 4,8 Kilometer langen Oberwasserkanal zum Maschinenhaus des Laufwasserkraftwerks Gösgen. Das Bauwerk steht sinnbildlich für die frühe Betonbauweise in der Schweiz und soll in seiner historischen Substanz weitgehend erhalten bleiben.
Ein Wahrzeichen mit neuer Funktion
Die Sanierung verfolgt gleich mehrere Ziele: Sie erhöht die Hochwassersicherheit, nutzt die höhere Restwasserabgabe zur Stromproduktion aus erneuerbarer Energie und verbessert gleichzeitig die Fischwanderung. Zudem sorgt eine neue, breitere Brücke für eine komfortable und sichere Überquerung der Aare.
Etappenweise zum Ziel
Damit das Stauwehr durchgehend funktionsfähig bleibt, erfolgt die Sanierung in mehreren Bauphasen. Die Hauptarbeiten sollen bis Mitte 2027 abgeschlossen sein. Dazu gehören das neue Restwasserkraftwerk, der Fischauf- und -abstieg, die neue Brücke, das Dammbalkenlager und der sogenannte Kolkschutz am Wehrfuss, der die Flusssohle verstärkt.
Der erste grosse Schritt ist der Bau des Fundaments für das Restwasserkraftwerk. Dafür wurde eine rund 30 x 30 Meter grosse und zwölf Meter tiefe Baugrube ausgehoben. Zwei ihrer Ecken ragen direkt in die Aare.
Wenn Stahl auf Stein trifft
Um die Baugrube trocken zu halten, setzen die Teams auf eine stabile Spundwand. Die Spundbohle wird mit Kran und Rüttler Zentimeter für Zentimeter in den Boden vibriert. Doch der Untergrund birgt Überraschungen:«Man weiss nie, was man dort unten findet», erzählt ein Bauarbeiter. Trifft der Stahl auf Stein, kreischt der Pfeiler unter der Last und manchmal muss dieser wieder herauszogen werden, um erneut eingesetzt werden zu können.
In solchen Fällen hilft ein Trick: Ein Loch wird mit einem 90-Zentimeter-Bohrer ausgebohrt, mit Kies gefüllt und dann die Spundbohle erneut eingerüttelt. So entsteht Schritt für Schritt eine dichte, widerstandsfähige Wand, die das Wasser draussen hält – zumindest grösstenteils.
Taucher betonieren die Bodenplatte
Ganz dicht werden die Spundwände nicht. Selbst wenn sie dicht wären, drückt trotzdem von unten Grundwasser nach. Um eine «trockene» Baugrube zu erhalten, wird eine Unterwasserbetonsohle mit Tauchern eingebaut. Zum Einsatz kommt spezieller Unterwasserbeton. Rund sechzig Lastwagenladungen davon werden für das erste Baufeld benötigt. Wenn das Wetter mitspielt, soll die Platte bis Januar betoniert sein und das Wasser aus der Baugrube kann abgepumpt werden.
Feingefühl für die Brücke
Parallel zum Fundament entsteht auch die neue Passerelle über der Aare. Die Brücke wurde so gestaltet, dass sie sich harmonisch ins Landschaftsbild einfügt. Elegant, aber nicht dominant, denn die Sanierung dient nicht nur der Funktion und Sicherheit, sondern auch der Identität des Orts. Viele Anwohner:innen verbinden mit dem Stauwehr persönliche Erinnerungen. Es ist ein Wahrzeichen, das erhalten bleiben soll.