Präzisionsarbeit unter der Brühlstrasse

5.8.2026, Text: Andres C. Nitsch
In Biel ersetzt STRABAG die Kanalisation und Versorgungsleitungen mitten in der Stadt.
Bohrer vor einer Reihe von Stahlträgern der Rüphlwand. © STRABAG
© STRABAG

Im Auftrag der Stadt Biel führt STRABAG an der Brühlstrasse umfangreiche Bauarbeiten aus. Das Projekt umfasst mehrere Strassenzüge und dient der Erneuerung und Erweiterung der unterirdischen Infrastruktur.

Neben den Leitungen für Fernwärme, Wasser und Gas wird in einzelnen Abschnitten auch die Kanalisation ersetzt – ein scheinbar unsichtbarer Teil der städtischen Infrastruktur in Biel. Dabei wird die neue Kanalisation in derselben Linienführung erstellt, jedoch etwa 50 cm tiefer als die bestehende Leitung. Der Grund dafür ist einfach: Oberhalb der Kanalisation muss genügend Platz für die Versorgungsleitungen von Wasser, Fernwärme und Gas geschaffen werden. Die Arbeiten erfolgen deshalb in mehreren Etappen. Zunächst werden die Baugruben für die neue Kanalisation ausgehoben. Nach dem Verlegen der Leitungen werden die Gräben wieder verfüllt. Erst zu einem späteren Zeitpunkt werden die Strassenabschnitte erneut geöffnet, damit die Versorgung mit Wasser, Fernwärme und Gas gebaut werden kann.

Komplexes Bauwerk mit acht Schächten

An diesem Tag stand ein besonders wichtiger Arbeitsschritt auf dem Programm: das Einheben eines neuen Schachts. Insgesamt werden auf diesem Bauabschnitt acht solcher Schächte eingebaut. Das Bauteil bringt beachtliche 8.7 Tonnen auf die Waage und kann deshalb nicht mit gewöhnlichen Mitteln versetzt werden. Für Anlieferung und Einbau kommt ein LKW-Kran mit entsprechender Hebetechnik zum Einsatz.

Doch selbst mit schwerem Gerät bleibt Präzision gefragt. Der Schacht bildet später einen zentralen Knotenpunkt im Leitungsnetz und muss an mehrere bestehende und neue Leitungen angeschlossen werden. Bereits kleinste Abweichungen würden die Dichtheit des Schachtes gefährden. Entsprechend sorgfältig und mit grosser Professionalität ging das STRABAG-Team vom Tiefbau und Strassenbau Mittelland vor. Unter der Leitung von Bauführerin Laura Huttner wurde der Schacht mehrfach nachjustiert. Zentimeter um Zentimeter näherten sich die Bauprofis der idealen Position, bis das gesamte Team mit der Platzierung zufrieden war.

Technische Zahlen

Von Frankfurt nach Biel

Für Laura Huttner ist die Baustelle in Biel nur eine von vielen anspruchsvollen Herausforderungen in ihrer beruflichen Laufbahn. Ihre Begeisterung für das Bauwesen entdeckte sie schon früh. Kein Zufall, denn bereits ihr Grossvater arbeitete als Bauführer. Vor ihrem Engagement bei STRABAG war sie unter anderem am Bau des Terminal 3 des Frankfurter Flughafens beteiligt – einem der grössten Infrastrukturprojekte Europas.

  • Drei Fragen an die Bauführerin ... Laura Huttner

    Ein Bauprojekt ist echtes Teamwork ... Wir schauen hinter die Kulissen und haben Laura direkt ins Rampenlicht geholt:
Die Bauführerin in typischer Schutzbekleidung lehnt sich an ein schweres Baugerät an © STRABAG

Dein aktuelles Bauprojekt verbindet grosse Distanzen mit grosser Präzision – wie schafft man diesen Spagat?

Der Spagat zwischen grossen Distanzen und hoher Präzision gehört im Tiefbau zum Alltag. Von aussen sieht man oft vor allem Erde und grobes Material, tatsächlich arbeiten wir aber mit Zentimetern, teilweise sogar Millimetern. Gerade bei Bauwerken wie Kanalisationen, die später unsichtbar sind, muss von Anfang an alles exakt stimmen, damit sie langfristig zuverlässig funktionieren.

Was ist an diesem Bauprojekt in Biel besonders?

Wir arbeiten mitten in der Stadt, unmittelbar vor städtischen Wohngebäuden, es ist eng, und ja, wir stören primär jeden hier vor Ort. Das heisst, wir müssen nicht nur mit grosser Professionalität unsere Arbeit erledigen, sondern auch mit viel Sensibilität auf die Sorgen und Nöte der Menschen hier im Quartier eingehen.

Schon dein Grossvater war in der Bauindustrie. Was fasziniert dich so sehr an der Welt des Bauens?

Bauen ist ein ungemein spannender Prozess. Wir schaffen Infrastruktur, die für die Menschen im Alltag von grosser Bedeutung ist – sei es ein Flughafen oder, wie hier, eine funktionierende Kanalisation. Es handelt sich um Anlagen, die meist selbstverständlich erscheinen und deren Wert man oft erst erkennt, wenn sie einmal nicht mehr funktionieren. Besonders motivierend ist, dass der Fortschritt jeden Tag sichtbar wird. Gemeinsam mit dem Team arbeitet man auf ein konkretes Ziel hin und sieht unmittelbar, was man mit seiner Arbeit erreicht hat. Das macht das Bauen für mich so faszinierend.