Zwischen Bagger und Sonnenblume: Die Rückkehr des Mühletychs

15.10.2026, Text: Giulia Ciarla
In Zofingen verwandelt sich der Mühletych vom verborgenen Gewässer zum erlebbaren Naturraum.
Drohnenaufnahme der Baustelle mit Sicht auf den Bachverlauf © STRABAG
© STRABAG

Wir befinden uns in Zofingen (AG) direkt neben dem Landi-Areal. Hier versperrte vor einigen Monaten Beton den Blick aufs Wasser, heute entstehen neue Lebensräume. Der Mühletych legt von der Wigger bis zur Aare rund vier Kilometer zurück. Was einst als wichtiger Gewerbe- und Bewässerungskanal diente und zahlreiche Mühlen sowie Industriebetriebe in der Region mit Wasserkraft versorgte, entwickelt sich heute zunehmend zu einem wertvollen Naturraum. Besonders in Zofingen wird diese Veränderung sichtbar: Hier erhält der Mühletych einen natürlichen Bachverlauf.
Wo früher Betonplatten den Bach verdeckten, entstehen heute geschwungene Ufer, neue Lebensräume und mehr Platz für Mensch und Natur. Ein Projekt, das Geschichte, moderne Baukunst und ökologische Aufwertung auf besondere Weise verbindet. Für das Team des STRABAG Strassenbaus Olten ist es die seltene Gelegenheit, nicht nur etwas Neues zu bauen, sondern der Natur etwas zurückzugeben.

Vom verborgenen Kanal zum erlebbaren Naturraum

Damit die Bevölkerung den Mühletych künftig besser erleben kann, wurde sein Verlauf neu gestaltet. Gleichzeitig verbreitert das Projekt die Rad- und Gehwege auf 3,5 Meter. So entsteht mehr Platz für Spaziergänger:innen, Velofahrende und Erholungssuchende.
Bereits heute lässt sich erahnen, wie sich der Bach in wenigen Wochen durch die Landschaft schlängeln wird. Im neu modellierten Bachbett liegen Steine, Baumstämme und Astwerke an sorgfältig ausgewählten Stellen. Sie schaffen nicht nur Struktur für den Wasserlauf, sondern bieten später zahlreichen Tier- und Pflanzenarten wertvolle Lebensräume.

Mit Präzision und Fingerspitzengefühl

Das neunköpfige Baustellenteam arbeitet dabei auf zwei (Teil-)Baustellen gleichzeitig: Während eine Gruppe den neuen Bachlauf formt, erstellt die zweite Gruppe die notwendigen Werkleitungen.
Um den natürlichen Verlauf wiederherzustellen, entfernte das Team bestehende Betonplatten und trug grosse Mengen Erdmaterial ab. Mithilfe modernster GPS-Technologie modellieren die Fachleute das zukünftige Bachbett zentimetergenau. Ziel ist es, einen möglichst naturnahen Wasserlauf zu schaffen, der sich harmonisch in die Umgebung einfügt.

Besonders begeistert zeigt sich der verantwortliche Polier von der aussergewöhnlichen Aufgabe:

  • «Für mich ist dieses Projekt etwas Einmaliges. Im klassischen Strassen- und Werkleitungsbau schaffen wir Infrastruktur. Hier dürfen wir der Natur ihren Raum zurückgeben. Zu sehen, wie aus Steinen, Holz und Erde ein lebendiger Bachlauf entsteht, macht unglaublich Freude. Dieses Projekt fordert Kreativität, Fachwissen und viel Vorstellungskraft. Genau das macht es so spannend.»

    Yannick John
    Polier, Tiefbau und Strassenbau Olten

Die Sonnenblume im neuen Bachbett

Mitten auf der Baustelle fällt ein besonderer Blickfang auf: Eine einzelne Sonnenblume ragt aus dem künftigen Bachbett empor. Zwischen Baumaschinen, Erdhaufen und Vermessungspunkten wirkt sie fast fehl am Platz. Gleichzeitig könnte sie kein passenderes Symbol für dieses Projekt sein.
Die Sonnenblume steht für Wachstum, Wandel und neues Leben. Genau darum geht es bei der Renaturierung des Mühletychs. Was heute noch wie eine Baustelle aussieht, entwickelt sich Schritt für Schritt zu einem naturnahen Gewässerraum, der Mensch und Natur gleichermassen zugutekommt. Im November wird der Mühletych wieder mit Wasser geflutet und das Team vom Strassenbau Olten wird dann seine Arbeiten vor Ort abschliessen.