Bauprojekt von STRABAG in atemberaubender Bergwelt erfolgreich abgeschlossen

07.10.2026, Text: Andres C. Nitsch
Zwischen Urnerboden und Klausenpasshöhe gibt es eine letzte, steile Geländestufe, die mit gut einem Dutzend Serpentinen überwunden werden muss. In diesem Bereich ersetzte das Team von STRABAG Erstfeld im Auftrag des Kantons Uri auf rund 1’640m Metern den alten Blocksatz mit einer neuen Stützmauer mit Blocksatzvorbau.
Drohnenaufnahme der Baustelle mit drei Mitarbeitenden wenig unterhalb der Fahrbahn © STRABAG
© STRABAG

Das Bauprojekt musste in knapp einem halben Jahr abgeschlossen werden und war von einigen Besonderheiten, die das Bauen im Steilhang auf über 1'600 Meter über Meer mit sich bringt, begleitet.

Blick entlang der Baustelle und der Passstrasse westwärts mit Kran rechts im Bild © STRABAG

Die Arbeiten in diesem Gelände sind aus verschiedenen Gründen eine besondere Herausforderung. Es kann nur von Mai bis Oktober gebaut werden, weil auf dieser Höhe nur in diesem Zeitfenster kein Schnee liegt. 2026 mussten die Bauarbeiten im Mai sogar aufgrund eines unerwarteten Wintereinbruchs für zwei Wochen nochmals eingestellt werden. In der schneefreien Zeit muss man sich dafür gegen die auf dieser Höhe extrem starke Sonneneinstrahlung schützen.

Eine Baustelle mit Herausforderungen zwischen Passverkehr und Kuhherden

Aber auch andere Witterungseinflüsse wie zum Beispiel starker Wind können die Bauarbeiten beeinträchtigen. Zudem liegt die Baustelle in steilem Gelände – «Schlierenegg» heisst diese Geländekammer – und es gibt daher äusserst wenig Platz für Geräte, Ablage und die eigentliche Baustelle selbst. Das hiess für STRABAG-Bauführer Peter Ortner, dass nur das absolut Notwendigste an Material vor Ort platziert wurde – zumal für das schwere Gerät genügend Manövrierfläche zur Verfügung stehen und dafür erst einmal aufgeschüttet werden musste.

Spannende Perspektive mit Strasse, Kran und Stützmauer © STRABAG

Auch für einen Kran musste ein Platz gefunden und so eingerichtet werden, dass alle Bereiche der Baustelle damit abgedeckt waren. Und es war eine Selbstverständlichkeit, dass die Passstrasse dauernd in Betrieb bleiben und selbst für Busse genügend Platz bieten musste. Auf der Länge der Baustelle konnte der Verkehr durch Kraneinsatz den Grossteil der Bauzeit uneingeschränkt passieren, während der Abschlussarbeiten konnte der Verkehr jedoch nur einspurig geführt und mit einer Lichtsignalanlage geregelt werden. Zum eher ungewöhnlichen Verkehr, der auch auf dieser engen Passstrasse abgewickelt werden muss, gehören ganze Kuhherden.

Spektakuläre Aufnahme mit einer Kuhherde entlang der Baustelle und Absperrung © STRABAG

Langlebige Bauweise für extreme Bedingungen

Die neue Stützmauer aus Beton wurde vorgelagert zur bestehende Stützmauer geplant. Das führt in der Folge denn auch zu einer leichten Verbreiterung der Fahrbahn. Aufgrund der extremen Witterungsverhältnisse wurden Vorkehrungen getroffen, um die Nutzungsdauer von 80 bis 100 Jahren zu gewährleisten. So wurde zum Beispiel an ausgesuchten Stellen korrosionsresistenter Stahl für die Bewehrung verwendet. Damit die Stützmauer im Gelände verankert und genügend stabil ist, wurden bergseits bis zwölf Meter lange Anker und als Fundament Mikropfähle eingesetzt.

Verschiedene Mitarbeiter an der Arbeit an der Bewehrung mit Abschnitten, die unterschiedlich weit sind © STRABAG

Neben diesen technischen Besonderheiten kam für das STRABAG-Team ein weiterer Aspekt von unerwarteter Seite dazu: Da die Passstrasse durch eine bedeutende und sensible Alpenlandschaft führt, hat die Denkmalpflege des Kantons Uri eine Reihe von Auflagen gemacht. Zum Beispiel musste vor bzw. an die Stützmauer eine Sichtmauer in Zyklopenmauerwerk gebaut werden. Dafür mussten der Denkmalpflege unterschiedliche Steine verschiedener Herkunft zur Auswahl vorgelegt werden. Entschieden hat sich das Amt für einen dunkelgrauen Stein aus Netstal, der zum örtlich vorhandenen Fels passt.

Blick aus grosser Distanz von unten auf die Baustelle mit prägnantem Kran © STRABAG

Für die sichtbar bleibende Mauerkrone musste der Beton ebenfalls in diesem dunkelgrauen Farbton eingefärbt werden. Ein spannender Aspekt hier: In die Mauerkrone wurden bereits die Rohre mit einbetoniert, in die nach Bauabschluss die Geländerpfähle eingeführt werden – aufgrund der Lawinengefährdung dieses Strassenabschnitts wird im Hebst jeweils das gesamte Geländer entfernt und im Frühjahr wieder eingesetzt.

Erfolgreicher Projektabschluss auf dem Klausenpass

Dem STRABAG-Team blieben nur wenige Monate in exponierter Lage und grosser Höhe, bei launenhafter Witterung und durchgehend fliessenden Verkehr, um diese Stützmauer zu bauen. Bauführer Peter Ortner, aus den Bergen Osttirols stammend und selbst passionierter Bergsteiger und Kletterer, liebt die Arbeit in den Bergen und hat grosse Erfahrung damit. Er kann stolz auf den erfolgreichen Abschluss dieses Projekt sein: «Das Bauen in dieser Bergwelt ist genauso herausfordernd wie befriedigend. Das Team hat hervorragende Arbeit geleistet und wir werden das Bauprojekt nach Plan und termingerecht abschliessen.»

  • Drei Fragen an den Bauführer ... Peter Ortner

    Ein Bauprojekt ist Präzisionsarbeit ... Wir schauen hinter die Kulissen und haben Peter Ortner direkt ins Rampenlicht geholt.
Perspektive mit der Baustelle und zwei Mitarbeitenden im Hintergrund © STRABAG

Was war für dich an dieser Baustelle besonders?

Die Baustelle ist an einer schönen Aussichtsposition über dem Urnerboden, die Bauarbeiten und Baustellenlogistik ist in steiler, felsdurchsetzter Hanglage immer herausfordernd und spannend.

Was macht für dich als Bergsteiger und Kletterer die Arbeit in den Bergen reizvoll?

Mir gefällt, unter beeindruckender Kulisse zu arbeiten, die schwierigen Gegebenheiten und Herausforderung zu erkennen und dementsprechend so zu reagieren, dass die Arbeiten trotzdem geordnet und konsequent erledigt werden.

Wie hast du den Weg in die Welt des Bauens gefunden?

Ich bin leidenschaftlicher Bergsteiger und Kletterer und habe Berge auf der ganzen Welt bestiegen. Meine Berufswahl war aber zuerst einmal davon geprägt, dass ich gerne draussen bin und an spannenden, herausfordernden Projekten arbeite. Ich liebe es, ein Projekt sauber vorzubereiten und dann auch entsprechend umzusetzen und zu Ende zu bringen. Da haben Bergsteigen und Bauen grosse Ähnlichkeiten. Es war aber naheliegend, dass mich meine Leidenschaft für die Berge irgendwann auch beruflich in die Berge bringt.

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