Geschichte mit Holz bewahren: Erneuerung des «GZ Wipkingen»
Die neu errichteten und teilweise denkmalgeschützten Gebäude haben historischen Wert. Denn im Jahr 1954 entstand in Zürich Wipkingen, direkt an der Limmat gelegen, der erste Robinsonspielplatz der Schweiz, initiiert von Pro Juventute. Es war der Startpunkt der Zürcher Gemeinschaftszentren und sollte Kindern in einer stark verdichteten und vom Autoverkehr geprägten Stadt sicheren Freiraum zum Spielen geben.[1]
Heute ist das an der Limmat gelegene Areal rund ums Gemeinschaftszentrum mit Kaffee, Spielplatz, Kinderbauernhof und einer Vielzahl an Veranstaltungen und Kursen in der Umgebung bekannt.
Bauen im Bestand: Erhalt und Weiterentwicklung
Während den Bauarbeiten blieb dieser ursprüngliche Treffpunkt geschlossen und wurde in andere provisorische Gebäude verlagert. Dies, um das Bestehende in neuem Glanz erstrahlen zu lassen – oder genauer gesagt in frisch polierter Systembauweise aus Holz – zu errichten. Denn das Ensemble aus Pavillon-Holzbauten, die ursprünglich roten Baracken, stehen unter Schutz – es sind Zeugnisse der ersten Spiel- und Freizeitanlage in Zürich und somit geschichtsträchtig. Zudem ist ihre leichte Holz- und Pavillonbauweise, die eingebettet ist in Grün- und Spielräume beispielhaft für die 1950-1960er-Jahre. Und das Resultat lässt sich sehen: Unser Holzbau hat die roten Holzfassaden neu errichtet. Im Kern ist die ursprüngliche Baracke dieselbe geblieben. Das Tragwerk der Konstruktion hat das Team demontiert, durch zusätzliche Elemente verstärkt, geschliffen und gestrichen und wieder an ihren Ursprungsort angebracht. Ähnlich sind sie bei den Fensterrahmen vorgegangen: Der Rahmen haben sie zunächst in seiner Ursprungsform ausgebaut, erneuert und dann leicht versetzt nach aussen an das Gebäude angebracht. Das Ziel dieser Arbeiten ist die bestehende Qualität und Struktur zu bewahren und gleichzeitig die Infrastruktur für eine zeitgemässe und nachhaltige Nutzung zu stärken.
Umbau und Ersatzneubau bis 2026
Seit 2024 wird das gesamte Areal umfassend erneuert und weiterentwickelt Die Anlage benötigte eine Modernisierung, die bauliche, energetische und funktionale Aspekte verbindet. Eines der bestehenden Gebäude «der blaue Saal» wurde vollständig rückgebaut und durch einen dreistöckigen Neubau in moderner Holz-Systembauweise ersetzt. Im Erdgeschoss entstand dafür eine Konstruktion mit einem Kreuzrost und Mineralwolle auf dem Beton; aussen erhält das Gebäude eine horizontale Nut-und-Kamm-Schalung. Das neue Steildach, geformt wie ein Pyramidenstumpf, besteht aus vorgefertigten Holzelementen mit einem Aufbau aus Grobspanplatten (OSB-Platten). Innenseitig ist es eine gedämmte Ständerkonstruktion mit einer Weichfaserplatte mit Unterdach und Konterlattung. Diese sorgt dafür, dass Luft hinter der Dacheindeckung zirkuliert und dies verhindert die Ansammlung von Feuchtigkeit. Bauseits wird die Dachfläche mit Dachlattung und Welleternitplatten vollendet. Jede der Dachseiten erhält zudem sechs Fenster, die dem Inneren grosszügiges Tageslicht schenken. Im 1. Obergeschoss ergänzt eine Verkleidung aus Dreischichtplatten den Ausbau. Die Innenwände bestehen aus Brettsperrholz (CLT-Platten): teils sichtbar, teils mit einem Rost, Dämmung und einer Gipsfaserplatte versehen, sodass ein stimmiges Gesamtbild entsteht. Die CLT-Platten bieten hohe Stabilität, wirken positiv auf das Raumklima und tragen als CO₂-speichernder Baustoff zur Nachhaltigkeit des Gebäudes bei.
Ankunft der (Holz-) Elemente – und ein neuer Anfang
Unser Baustellen-Team arbeitet seit Februar 2025 an diesem Projekt. Unter der Leitung von Polier Claudio Guidon haben die Mitarbeitenden Mitte November 2025 die Wände des neuen Gebäudes aufgerichtet. Diese Arbeiten erfolgten innerhalb von einer Woche. «In Zürich haben wir grundsätzlich enge Platzverhältnisse; auf diesem Areal ist es sehr ausgeprägt», so Claudio. Um die Holzelemente anzuliefern, waren mehrere Lastwagentransporte mit Pritschen notwendig. Diese haben die Elemente, die im Werk in Lindau vorgefertigt wurden, nach Zürich gebracht. Damit die Bauzufahrt möglich wurde, haben wir einen bestehenden Schopf sorgfältig demontiert, eingelagert und werden ihn nach Abschluss der Bauzeit wieder am ursprünglichen Ort aufrichten. Während dieser Woche erfolgten Strassensperrungen, die notwendig waren, um die Elemente mit einem Kran an ihren Zielort zu verfrachten. Die entstandene Holzbauweise knüpft an die gewachsene Pavillonstruktur des GZ Wipkingen an, nutzt den Baustoff Holz als erneuerbare Ressource und ermöglicht eine flexible, anpassungsfähige Nutzung. So bleibt das Areal rund ums Gemeinschaftszentrum Wipkingen ein lebendiger Treffpunkt, der mit Holz seine Geschichte bewahrt und weiterbaut.
[1] Quelle: www.stadt-zuerich.ch/