Stahlträger an Ort und Stelle: Ersatzneubau wächst zusammen

20.1.2026, Text: Laura Greim
In Kloten (ZH) wurde der nächste Projektmeilenstein erreicht: Die neuen Hohlkastenträger sind eingehoben und verbinden die Widerlager zum künftigen Brückenüberbau.
Im Vordergrund STRABAG Absperr-Latten im Hintergrund ein Kran der ein  24 Tonnen Stahlträger hebt © STRABAG
© STRABAG

Nachdem im Juli die alte Brücke in Kloten auf spektakuläre Art und Weise ausgehoben wurde – wir berichteten bereits – folgte in den letzten Wochen der nächste grosse Meilenstein: der Einhub der Hohlkastenträger für den Ersatzneubau.
Doch was ist seit dem Aushub passiert?

Rückbau im Pilgerschrittverfahren

Jedes ausgehobene Element der alten Strassenbrücke wurde auf dem Installationsplatz sorgfältig rückgebaut, während die Arbeiten an der neuen Brücke beginnen konnten.

Um die neuen Widerlager errichten zu können, musste zuerst aus Sicherheitsgründen eine Schutzwand gegenüber der Bahnlinie erstellt werden. Danach konnte der Rückbau der alten Widerlager mit gleichzeitigem Aushub und Baugrubensicherung beginnen. Dies wurde im sogenannten Pilgerschrittverfahren realisiert. Das bedeutet, dass das Team sich Stück für Stück vorarbeitete: spitzen, rückbauen, mit Spritzbeton sichern und die Nagelwand verankern.

Das Pilgerschrittverfahren bei Baugruben ist eine Methode, bei der der Aushub und die Sicherung des Erdreichs abschnittsweise erfolgen, um die Stabilität zu gewährleisten und Schäden und Setzungen an Nachbarsgebäuden zu vermeiden. In Kloten konnten so pro Etappe nur jeweils 4,5 Meter Breite und 1,5-2 Meter Höhe pro Baufeld ausgehoben werden. Von diesen Etappen gab es 42 Stück im Norden und 48 Stück im Süden der Brücke.

Enge Platzverhältnisse für grosse Maschinen

Das Pilgerschrittverfahren birgt auch Herausforderungen. Da unsere Teams die einzelnen Abschnitte als horizontale Lage fertigstellen mussten, heisst von oben nach unten, durften nie zwei benachbarte Felder gleichzeitig oder nacheinander ausgeführt werden. Für Polier Simon und seine Mannschaft vor Ort ein echtes Logistikspiel:

  • Enge Platzverhältnisse, grosse Maschinen bei kleinen, wechselnden Baufeldern und dann die Frage: Wohin mit dem Abbruch- und Aushubmaterial? Wie kommen die Baumaschinen von Feld zu Feld? Nur eine agile und leane Arbeitsweise hat das gewünschte Resultat gebracht. Entscheidend war, dass alle im Team ihre Rolle einnahmen und wir dieses Puzzle gemeinsam lösten – was uns am Ende auch gelungen ist. Definitiv kein alltägliches Bauprojekt.

    Simon Meier
    Polier, Bauwerksinstandsetzungen, STRABAG AG

Einhub der Hohlkastenträger: das Sahnehäubchen

Wie die alte Brücke entsteht auch der Neubau als Stahl-Beton-Verbundbrücke. Vier je 24 Tonnen schwere Hohlkastenträger aus wetterfestem Stahl bilden zusammen mit der Ortbeton-Fahrbahnplatte den neuen Überbau.

Bei einer Brücke dieser Art erstellen die Baustellenteams die Fahrbahnplatte aus Beton. Beim Aushärten verbindet sich diese auf monolithische Weise mit den Widerlagern, also den seitlichen Stützwänden der Brücke. Somit entsteht ein zusammenhängendes Bauwerk ohne bewegliche Fugen dazwischen. Die Brücke steht damit auf einem Feld, ist leicht schräg zur Strasse ausgerichtet und bildet eine stabile Rahmenkonstruktion, bei der alle Teile gemeinsam die aufkommende Last tragen.

Überhöhte Stahlträger

Die Stahlträger haben eine leichte Überhöhung. Das bedeutet, dass sie beim Einhub eine minimale Biegung aufweisen, um die spätere Durchbiegung unter der Verkehrslast und dem Eigengewicht zu kompensieren. Die Überhöhung ist für jeden Träger individuell, da Faktoren wie Länge, Anschlussdetails, Lastverteilung, Lage im Querschnitt und spätere Belastungen je nach Position variieren können. Der Stahlbauer fertigte die Träger mit der jeweiligen berechneten Krümmung vor, was sich beim Einhub durch eine sichtbare Biegung nach oben zeigt. Erst nach dem Betonieren des Verbundquerschnitts und unter Last fügt sich jeder Träger in seine endgültige Sollgeometrie ein.

Sorgfältige Planung für komplexe Kräfte

Dabei verwandelt sich die Brücke statisch von einem einfachen Balken zu einem durchgehenden Rahmen. An den Übergängen zu den Widerlagern wirken dann komplexe Kräfte, die schon in der Planung berücksichtigen wurden. Der Einhub der Träger, die Betonflächen sowie die Einbauteile und Ankerplatten müssen exakt positioniert sein, denn bereits kleine Abweichungen können Spannungen im Bauwerk auslösen oder sogar verstärken.

Stück für Stück zur neuen Brücke

Der Ersatzneubau der Schaffhauserstrassenbrücke wächst so Stück für Stück zusammen, exakt geplant, sorgfältig umgesetzt und bereit, den Verkehr in Kloten für viele Jahrzehnte sicher zu tragen.

Projektmeilensteine