Stahlträger an Ort und Stelle: Ersatzneubau wächst zusammen
Nachdem im Juli die alte Brücke in Kloten auf spektakuläre Art und Weise ausgehoben wurde – wir berichteten bereits – folgte in den letzten Wochen der nächste grosse Meilenstein: der Einhub der Hohlkastenträger für den Ersatzneubau.
Doch was ist seit dem Aushub passiert?
Rückbau im Pilgerschrittverfahren
Jedes ausgehobene Element der alten Strassenbrücke wurde auf dem Installationsplatz sorgfältig rückgebaut, während die Arbeiten an der neuen Brücke beginnen konnten.
Um die neuen Widerlager errichten zu können, musste zuerst aus Sicherheitsgründen eine Schutzwand gegenüber der Bahnlinie erstellt werden. Danach konnte der Rückbau der alten Widerlager mit gleichzeitigem Aushub und Baugrubensicherung beginnen. Dies wurde im sogenannten Pilgerschrittverfahren realisiert. Das bedeutet, dass das Team sich Stück für Stück vorarbeitete: spitzen, rückbauen, mit Spritzbeton sichern und die Nagelwand verankern.
Das Pilgerschrittverfahren bei Baugruben ist eine Methode, bei der der Aushub und die Sicherung des Erdreichs abschnittsweise erfolgen, um die Stabilität zu gewährleisten und Schäden und Setzungen an Nachbarsgebäuden zu vermeiden. In Kloten konnten so pro Etappe nur jeweils 4,5 Meter Breite und 1,5-2 Meter Höhe pro Baufeld ausgehoben werden. Von diesen Etappen gab es 42 Stück im Norden und 48 Stück im Süden der Brücke.
Enge Platzverhältnisse für grosse Maschinen
Das Pilgerschrittverfahren birgt auch Herausforderungen. Da unsere Teams die einzelnen Abschnitte als horizontale Lage fertigstellen mussten, heisst von oben nach unten, durften nie zwei benachbarte Felder gleichzeitig oder nacheinander ausgeführt werden. Für Polier Simon und seine Mannschaft vor Ort ein echtes Logistikspiel:
Einhub der Hohlkastenträger: das Sahnehäubchen
Wie die alte Brücke entsteht auch der Neubau als Stahl-Beton-Verbundbrücke. Vier je 24 Tonnen schwere Hohlkastenträger aus wetterfestem Stahl bilden zusammen mit der Ortbeton-Fahrbahnplatte den neuen Überbau.
Bei einer Brücke dieser Art erstellen die Baustellenteams die Fahrbahnplatte aus Beton. Beim Aushärten verbindet sich diese auf monolithische Weise mit den Widerlagern, also den seitlichen Stützwänden der Brücke. Somit entsteht ein zusammenhängendes Bauwerk ohne bewegliche Fugen dazwischen. Die Brücke steht damit auf einem Feld, ist leicht schräg zur Strasse ausgerichtet und bildet eine stabile Rahmenkonstruktion, bei der alle Teile gemeinsam die aufkommende Last tragen.
Überhöhte Stahlträger
Die Stahlträger haben eine leichte Überhöhung. Das bedeutet, dass sie beim Einhub eine minimale Biegung aufweisen, um die spätere Durchbiegung unter der Verkehrslast und dem Eigengewicht zu kompensieren. Die Überhöhung ist für jeden Träger individuell, da Faktoren wie Länge, Anschlussdetails, Lastverteilung, Lage im Querschnitt und spätere Belastungen je nach Position variieren können. Der Stahlbauer fertigte die Träger mit der jeweiligen berechneten Krümmung vor, was sich beim Einhub durch eine sichtbare Biegung nach oben zeigt. Erst nach dem Betonieren des Verbundquerschnitts und unter Last fügt sich jeder Träger in seine endgültige Sollgeometrie ein.
Sorgfältige Planung für komplexe Kräfte
Dabei verwandelt sich die Brücke statisch von einem einfachen Balken zu einem durchgehenden Rahmen. An den Übergängen zu den Widerlagern wirken dann komplexe Kräfte, die schon in der Planung berücksichtigen wurden. Der Einhub der Träger, die Betonflächen sowie die Einbauteile und Ankerplatten müssen exakt positioniert sein, denn bereits kleine Abweichungen können Spannungen im Bauwerk auslösen oder sogar verstärken.
Stück für Stück zur neuen Brücke
Der Ersatzneubau der Schaffhauserstrassenbrücke wächst so Stück für Stück zusammen, exakt geplant, sorgfältig umgesetzt und bereit, den Verkehr in Kloten für viele Jahrzehnte sicher zu tragen.
Projektmeilensteine
- 6.4.2025: Einhub der beiden Hilfsbrücken
- 11. - 12.7.2025: Ausbau bestehende Brücke
- 17. – 18.12.2025: Einhub Hohlkastenträger
- 25. - 26.9.2026: Ausbau Hilfsbrücken
- Bauende: Dezember 2026