Nach Los 1 folgt Los 2: Weiterer Schritt im Hochwasserschutz der Zentralbahn-Strecke

27.11.2025, Text: Laura Greim
STRABAG Ingenieurbau macht die Zentralbahn im Haslital hochwassersicher – mit technischer Stärke und ökologischer Verantwortung.

Ein Bagger hebt einen grossen Betonbehälter über eine Strassenbaustelle mehrere Arbeiter in oranger Schutzkleidung stehen daneben und sichern die Arbeiten. Im Hintergrund sind Herbstbäume zu sehen. © STRABAG
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Die einspurige Schmalspurbahn der Zentralbahn zwischen Meiringen und Brienzwiler im idyllischen Berner Oberland verläuft entlang der Hasliaare – und damit in einem Gebiet, das regelmässig von Hochwasser betroffen ist.

Der bestehende Bahndamm wird bei Starkregenereignissen immer wieder überflutet und unterspült, was zu Schäden an der Bahninfrastruktur und am angrenzenden Kulturland führt.

Nach der erfolgreichen Sanierung der ersten beiden Streckenabschnitte, Los 1 und Los 3, in den Jahren 2022/2023 - wir berichteten bereits - realisiert der STRABAG Ingenieurbau mit Teams aus Erstfeld und Zürich nun den Totalumbau des anspruchsvollen Mittelabschnitts Los 2, mitten im Naturschutzgebiet Sytenwald.

Ingenieurbau mit Rücksicht auf Natur und Tierwelt

Der Kern des Projekts umfasst den Totalumbau des bestehenden Bahntrassees über eine Länge von 2’600 Metern. Dazu wird der Bahndamm angehoben, um die Strecke dauerhaft hochwassersicher zu gestalten.

Parallel entsteht eine durchgehende Planungsentwässerung der Strecke, damit das Oberflächen- und Hangwasser zuverlässig abgeführt werden kann. Das Planum, die Tragschicht unter den Schienen und Schwellen, wird dabei so gestaltet, dass Regen- und Schmelzwasser direkt seitlich abfliessen kann. Das Wasser wird somit über Gefälle abgeführt – ohne separate Rohrleitungen. Entlang der Hasliaare wird eine neue Hochwasserschutzmauer errichtet, die aus vorgefertigten Beton-Winkelstützelementen und Frostriegeln besteht.

Zur Modernisierung der Bahninfrastruktur werden ausserdem 30 neue Fundamente für die Fahrleitungsmasten auf der flussabgewandten Seite errichtet. Für die ökologische Durchgängigkeit des Geländes entstehen rund 37 Übergänge für Wild- und Kleintiere, damit diese das Trassee weiterhin sicher queren können.

Ein besonders anspruchsvoller Bestandteil bildet der Neubau der Hüsenbachbrücke aus ultrahochfestem Faserbeton (UHFB). Dieser Baustoffe weist eine besonders hohe Dichtheit und Festigkeit auf, was ihn nahezu porenfrei und äusserst langlebig macht. Die Bauarbeiten an der Brücke erfolgen zudem mit besonderer Rücksicht auf die Forellenpopulation im Seitenarm der Hasliaare, wo sich die Tiere während der Laichzeit aufhalten.

Bauen in beeindruckenden Dimensionen

Für die Ausführung dieses komplexen Projekts kommen erhebliche Materialmengen zum Einsatz. Insgesamt werden rund 10’000 Kubikmeter Aushubmaterial bewegt, bevor der neue Bahndamm lagenweise wieder aufgebaut wird. Die Fundationsschicht besteht aus etwa 6’500 Kubikmetern Kies, die für eine gleichmässige Lastverteilung und Stabilität sorgen.

Insgesamt werden rund 4’000 Kubikmeter Beton eingebaut – unter anderem für die Stützmauern, Fundamente und die neue Brückenkonstruktion. Für die Rollierung, also die grobsteinige Tragschicht zur Stabilisierung des Dammbereichs, werden zusätzlich 5’600 Kubikmeter Natursteine verbaut.
Die neuen Asphaltbeläge umfassen ein Volumen von rund 3’500 Tonnen. Dazu kommen rund 4’300 Betonschwellen.

Gemeinsam durch die Intensivbauphase

Die Bauausführung erfordert aufgrund der engen Platzverhältnisse und lokal fehlender redundanter Baupisten in gewissen Abschnitten zwischen Hasliaare, Bahntrassee und aufgrund mehrerer Naturschutzgebiete höchste Präzision in Logistik und Koordination. Eine enge Zusammenarbeit mit Bauherrschaft, Planer:innen, Umweltbaubegleitung, Grundeigentümer:innen, Behörden und diversen Fachstellen ist entscheidend.

Seit März 2025 liefen die Vorarbeiten: Dazu gehören der Aufbau der Baupisten und Installationsplätze, die Vorfabrikation der Hochwasserschutzmauern, der Bau einer Hilfsbrücke über die Aare sowie die Erstellung der neuen Fahrleitungsfundamente und der Hüsenbachbrücke.

Am 13. Oktober 2025 startete die zehnwöchige Intensivbauphase, während der die Bahnstrecke vollständig gesperrt ist. In dieser Zeit arbeiten die STRABAG-Teams im Mehrschichtbetrieb, um die Arbeiten termingerecht und effizient abzuschliessen.

Bautechnische Besonderheiten: